Vielleicht kennen Sie solche Tage: Eigentlich ist nichts Dramatisches los, aber alles ist ein bisschen zu viel.
Der Kopf ist schon voll, bevor der Tag richtig angefangen hat. Hier noch etwas erledigen, dort antworten, zwischendurch an etwas denken, das bloß nicht untergehen darf. Jede Sache für sich wäre machbar. Nur zusammen wird es irgendwann lästig.
Die Mäßigkeit passt gut zu so einem Tag. Sie steht für das richtige Maß, aber das lässt sich nicht mit einer festen Regel bestimmen. Heute kann es heißen, eine Sache von der Liste zu streichen. An einem anderen Tag wäre vielleicht genau das Gegenteil richtig und Sie müssten sich einen kleinen Schubs geben. Es geht nicht darum, den Tag mustergültig auszubalancieren. Es reicht schon, zu merken, wann es an einer Stelle zu viel oder zu wenig wird.
Affirmation
„Ich finde heute das Maß, das zu mir und meinem Tag passt.“
Das merkt man manchmal bei ganz gewöhnlichen Dingen. Sie wollen noch schnell etwas anfangen, obwohl Sie eigentlich längst Feierabend machen wollten. Sie denken zum dritten Mal über eine Bemerkung nach, die Sie geärgert hat. Oder Sie verzichten schon wieder auf etwas, auf das Sie richtig Lust hätten, weil vorher noch dieses und jenes erledigt werden müsste. Die Mäßigkeit sagt nicht grundsätzlich: weniger. Von manchen Dingen dürfte es sogar ruhig etwas mehr sein.
Wer viel zu tun hat, merkt beispielsweise nicht immer sofort, wann die Konzentration weg ist. Man sitzt noch eine Stunde am Schreibtisch, produziert aber hauptsächlich neue Fehler. Dann kann Aufhören die vernünftigere Entscheidung sein. Nicht als großes Programm für mehr Ausgeglichenheit. Einfach Rechner aus, Essen machen, eine Runde nach draußen oder endlich aufs Sofa.
Andersherum gibt es diese Tage, an denen man um eine Aufgabe herumschleicht. Sie ist gar nicht besonders schlimm, aber der Anfang wird immer größer, je länger man ihn verschiebt. Auch da passt die Mäßigkeit. Dann müssen Sie sich nicht vornehmen, heute alles zu schaffen. Zehn Minuten anfangen. Einen Teil erledigen. Danach können Sie immer noch entscheiden, ob Sie weitermachen.
Auch bei Ärger oder Sorgen lohnt sich ein Blick auf das Maß. Ein Gedanke kann wichtig sein und trotzdem nicht den ganzen Nachmittag bekommen. Ein Gespräch kann geklärt werden müssen und trotzdem bis morgen warten. Nicht alles, was sich gerade vordrängelt, muss sofort Ihre volle Aufmerksamkeit haben.
Und dann gibt es noch das Schöne, das ebenfalls leicht zu kurz kommt. Ein Kaffee, bei dem Sie sitzen bleiben, statt ihn nebenbei zu trinken. Ein Telefonat, das länger dauert, weil es gerade nett ist. Etwas kaufen, kochen, lesen oder unternehmen, einfach weil Sie Freude daran haben. Auch solche Dinge gehören in einen Tag und müssen nicht erst durch genügend erledigte Pflichten verdient werden.
Die Mäßigkeit macht aus diesem Tag keine Übung in Selbstbeherrschung. Nehmen Sie sie lieber ganz praktisch: Wo könnten Sie heute ein bisschen nachregeln? Nicht alles ändern. Nur dort, wo Sie selbst schon merken, dass die Mischung gerade nicht stimmt.
Mögen Sie heute das richtige Maß für sich finden – und sich dabei ruhig auch ein bisschen mehr von dem gönnen, was Ihren Tag schöner macht.
