Wer sich mit dem I Ging beschĂ€ftigt, stöĂt frĂŒh auf Yin und Yang. Diese beiden GrundqualitĂ€ten bilden das Fundament des ganzen Systems. Aus ihnen entstehen die Linien, aus den Linien die Trigramme, aus den Trigrammen die Hexagramme. Auch Begriffe wie altes Yin oder junges Yang lassen sich erst dann gut einordnen, wenn dieses Grundprinzip klar vor Augen liegt.
Die Begriffe Yin und Yang stammen aus dem alten China. Am Anfang bezogen sie sich auf eine sehr anschauliche Naturbeobachtung: auf die Schattenseite und die Sonnenseite eines HĂŒgels. Aus dieser Herkunft entwickelte sich nach und nach ein Denkmodell fĂŒr gegensĂ€tzliche, sich ergĂ€nzende QualitĂ€ten. So wurden Yin und Yang zu einem SchlĂŒssel, um Wandel, Ausgleich und Bewegung im Leben zu beschreiben.
Im I Ging bekamen diese Begriffe ihren festen Platz. Die alten Orakelzeichen arbeiteten mit Linienbildern, und aus diesen Linienbildern entstand ein System, das Wandlungen sichtbar macht. Eine durchgehende Linie steht fĂŒr Yang, eine unterbrochene Linie fĂŒr Yin. Daraus entstehen die Trigramme und schlieĂlich die 64 Hexagramme.
Ăbrigens: Das heute bekannte runde Yin-Yang-Symbol entstand erst spĂ€ter aus chinesischen Kosmologie-Diagrammen. Es wird Taijitu (âDiagramm des höchsten Prinzipsâ1) genannt und ist zu einem prĂ€genden Bild fĂŒr das Zusammenspiel von Yin und Yang geworden.
Yin und Yang als Grundlage des I Ging
Im I Ging stehen Yin und Yang fĂŒr zwei GrundqualitĂ€ten, die sich ergĂ€nzen und im Wechsel wirken.
- Yin steht fĂŒr das Empfangende, Nachgiebige, Innere und Sammelnde
- Yang steht fĂŒr das Aktive, Klare, VorwĂ€rtsgehende und Gestaltende
Erst im Zusammenspiel beider QualitÀten entsteht Wandel. Genau deshalb beginnt das I Ging bei Yin und Yang.
So werden Yin und Yang im I Ging sichtbar
Das I Ging arbeitet mit zwei Linienarten:
- eine durchgehende Linie steht fĂŒr Yang
- eine unterbrochene Linie steht fĂŒr Yin
Diese schlichte Unterscheidung eröffnet das ganze System. Jede Aussage des I Ging beginnt bei diesen beiden Linien.
Wie aus Linien Trigramme und Hexagramme entstehen
Aus drei Linien entsteht ein Trigramm. Aus zwei Trigrammen entsteht ein Hexagramm mit sechs Linien.
Da jede Linie zu Yin oder Yang gehört, ergeben sich 64 Hexagramme. Genau hier zeigt sich sehr schön, weshalb die Hexagramme auf dem Yin-Yang-Prinzip beruhen: Jede einzelne Aussage entfaltet sich aus diesen beiden UrqualitÀten.
Warum Yin und Yang fĂŒr die Hexagramme so wichtig sind
Ein Hexagramm zeigt eine Situation in Bewegung. Es beschreibt, welche QualitÀt in einer Situation wirkt und wie sich diese Lage weiterentwickeln kann.
- Eine Yang-Linie kann Antrieb, Klarheit oder Entschlossenheit zeigen.
- Eine Yin-Linie kann Aufnahme, Hingabe oder Nachgeben ausdrĂŒcken.
Erst durch das Zusammenspiel aller sechs Linien entsteht das Bild des Hexagramms. Darum ruht das I Ging vollstÀndig auf Yin und Yang.
Was junges Yin, junges Yang, altes Yin und altes Yang bedeuten
Im I Ging gibt es vier Linienbezeichnungen:
- 6 = altes Yin
- 7 = junges Yang
- 8 = junges Yin
- 9 = altes Yang
Junges Yin und junges Yang bezeichnen stabile Linien. Altes Yin und altes Yang sind wandelnde Linien.
Damit wird sichtbar: Eine Linie zeigt im I Ging nicht nur eine QualitÀt, sie zeigt auch, ob diese QualitÀt ruhig bleibt oder sich wandelt.
Warum es âaltâ und âjungâ heiĂt
Mit âjungâ meint das I Ging eine frische, stabile AusprĂ€gung. Mit âaltâ ist eine ausgereifte Energie gemeint. Sie hat ihren Höhepunkt erreicht und geht in die Gegenrichtung ĂŒber.
Darum wandelt sich
- altes Yin zu Yang
- altes Yang zu Yin
Hier liegt ein zentraler Gedanke des I Ging: Jede QualitÀt bewegt sich weiter. Aus Yin kann Yang werden, aus Yang kann Yin werden.
Warum wandelnde Linien so wichtig sind
Sobald altes Yin oder altes Yang erscheint, entsteht durch die Verwandlung ein zweites Hexagramm.
Dabei gilt:
- das erste Hexagramm zeigt die Ausgangslage
- die wandelnden Linien zeigen den Bereich des Umschwungs
- das zweite Hexagramm zeigt die Richtung der weiteren Entwicklung
Genau dadurch erhÀlt das I Ging seine besondere Aussagekraft. Es beschreibt eine Lage und zugleich ihre Bewegung.
Weshalb die Hexagramme auf dem Yin-Yang-Prinzip beruhen
Jedes Hexagramm besteht aus sechs Linien. Jede dieser Linien gehört entweder zu Yin oder zu Yang. Aus ihrer Anordnung entsteht ein Muster, das eine bestimmte Lage beschreibt.
Darum beruhen die Hexagramme auf Yin und Yang: Das ganze System des I Ging entfaltet sich aus diesen beiden GrundqualitÀten.
FuĂnote
- Mit âhöchstem Prinzipâ ist in der chinesischen Philosophie das grundlegende Ordnungsprinzip gemeint, aus dem alles hervorgeht. Es bezeichnet also die ursprĂŒngliche Einheit, aus der sich Yin und Yang und damit alle GegensĂ€tze entwickeln. â©ïž
