Wenn der Tod als Tageskarte auftaucht, erschreckt der Name zunächst ein wenig. Dabei geht es hier nicht um den tatsächlichen Tod. Wirklich nicht! Die Karte hat eher mit einem Punkt zu tun, an dem etwas nicht mehr weitergeführt werden sollte, nur weil es bisher so war.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Eigentlich ist eine Sache längst erledigt, aber man schleppt sie trotzdem noch mit sich herum. Einen alten Ärger. Eine Verpflichtung, die irgendwann einmal sinnvoll war. Eine Gewohnheit, die mehr nervt als nützt.
Manchmal braucht es erstaunlich lange, bis man sich eingesteht: Das passt einfach nicht mehr.
Heute könnte genau so ein Punkt deutlicher werden. Vielleicht merken Sie bei einem Gespräch, dass Sie nicht wieder in dieselbe Diskussion geraten möchten. Vielleicht schauen Sie auf Ihren Tagesplan und denken bei einem Punkt ganz klar: Warum mache ich das eigentlich noch? Oder Sie stellen fest, dass Sie an einer Entscheidung festhalten, die längst unter anderen Voraussetzungen getroffen wurde.
Der Tod ist keine gemütliche Karte, aber er kann sehr befreiend sein. Er macht Schluss mit diesem halbherzigen „Eigentlich müsste ich mal …“.
Affirmation
„Ich darf etwas beenden, wenn es für mich nicht mehr richtig ist.“
Das klingt zunächst einfach. In der Praxis hängt an alten Dingen aber meist mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Man hat Zeit hineingesteckt, vielleicht Geld, Hoffnung oder Mühe. Dann fällt es schwer zu sagen: Trotzdem höre ich jetzt damit auf. Schon allein deshalb, weil sofort der Gedanke auftaucht, man hätte all das dann umsonst getan. Aber Vergangenes wird nicht wertlos, nur weil Sie heute anders entscheiden. Es hatte seine Zeit. Mehr muss daraus manchmal gar nicht gemacht werden.
Die Tageskarte kann deshalb ganz bodenständig sein. Vielleicht werfen Sie heute tatsächlich etwas weg, das seit Jahren nur von einer Ecke in die andere wandert. Vielleicht kündigen Sie etwas, das Sie kaum nutzen. Vielleicht beantworten Sie eine Nachricht endlich klar, statt noch länger um eine Entscheidung herumzuformulieren. Es kann sogar reichen, einen Gedanken nicht zum hundertsten Mal weiterzudenken.
Manches beendet sich allerdings auch ohne unser Zutun. Ein Plan platzt. Jemand sagt ab. Eine Möglichkeit, mit der Sie fest gerechnet hatten, ist plötzlich weg. Das kann erst einmal ärgerlich oder traurig sein. Und trotzdem lohnt sich die Frage, ob Sie wirklich versuchen müssen, den alten Zustand wiederherzustellen. Vielleicht ist genau dieses Ende der Punkt, an dem Sie eine andere Richtung nehmen können.
Besonders spannend finde ich an dieser Karte, dass Veränderung nicht immer groß aussehen muss. Sie kann darin stecken, dass Sie heute an einer Stelle anders reagieren als sonst. Dass Sie sich nicht rechtfertigen. Dass Sie eine Sache sein lassen. Dass Sie etwas abschließen, obwohl noch nicht jede Frage beantwortet ist. Solche Entscheidungen machen kein großes Geräusch, aber sie verändern trotzdem etwas.
Der Tod sagt für diesen Tag also nicht: Alles muss anders werden. Eher: Schauen Sie genau hin, was eigentlich schon vorbei ist. Und tragen Sie es nicht länger mit sich herum, nur weil Sie sich daran gewöhnt haben.
Mögen Sie heute den Mut haben, an der einen oder anderen Stelle etwas zu Ihren Gunsten zu verändern – und das gute Gefühl kennenlernen, das entstehen kann, wenn etwas endlich nicht mehr mit muss.
