Der Satz „Eigentlich wollte ich das gar nicht“ fällt selten vor einer besonders vernünftigen Entscheidung. Meist ist die Sache da schon passiert. Man hat doch wieder Ja gesagt, obwohl vorher ein Nein feststand, oder ist bei etwas gelandet, von dem man sich eigentlich fernhalten wollte. Der Teufel passt gut zu so einer Situation. Er kennt die Kunst, sich selbst etwas so lange plausibel zu machen, bis aus „nur dieses eine Mal“ eine ziemlich feste Gewohnheit geworden ist.
Auf der Rider-Waite-Smith-Karte stehen zwei Menschen vor dem Teufel, beide mit einer Kette um den Hals. Auffällig ist, dass diese Ketten gar nicht besonders eng sitzen. Sie wirken eher so, als ließen sie sich abstreifen. Hier hält nicht nur etwas von außen fest. Die beiden bleiben auch selbst stehen. Vielleicht weil das Bekannte seinen Reiz hat. Vielleicht weil Loskommen anstrengender wäre, als noch eine Weile so weiterzumachen.
Affirmation
Heute mache ich mir nichts vor – und entscheide dann, was ich wirklich will.
Beim Teufel landet man schnell bei Verboten und schlechtem Gewissen. Dabei lohnt sich eher die Frage, warum man an etwas hängt. Meist gibt es dafür einen Grund, und der ist nicht nur schlecht. Es kann angenehm sein oder schlicht vertraut. Genau da sitzt der Haken.
So eine Stelle kann heute auffallen. Nicht unbedingt bei etwas Dramatischem. Eher in einem kleinen „Ach, komm“, das Sie sich selbst sagen. Da lohnt sich ein zweiter Blick. Wollen Sie das gerade wirklich – oder läuft da schon etwas von allein?
Beim Teufel muss Genuss nicht verdammt werden. Wenn etwas Spaß macht, ist das erst einmal so. Unangenehm wird die Sache an dem Punkt, an dem aus „ich will“ unbemerkt „ich muss“ geworden ist. Da ist die Karte ziemlich genau. Sie kennt Lust, Begehren und die Freude daran, sich etwas zu gönnen. Nur die Ausrede, man habe mit der eigenen Entscheidung nichts zu tun, lässt sie nicht besonders gut durchgehen.
Die beiden Menschen auf der Karte tragen bereits Hörner und Schwänze. Sie haben sich ihrer Umgebung also ein Stück angepasst. Das ist ein ziemlich treffendes Detail. Was lange zum Alltag gehört, fällt irgendwann kaum noch auf. Man nennt es dann eben „so bin ich“ oder „das ist bei mir halt so“. Manche dieser Sätze stimmen. Andere sind sehr praktisch, weil man danach nichts mehr prüfen muss.
Falls Ihnen heute bei einer solchen Gewohnheit ein kleiner Zweifel kommt, braucht daraus noch kein Vorhaben zu werden. Schauen Sie sich die Kette erst einmal an. Sitzt sie wirklich so fest? Oder haben Sie nur schon lange nicht mehr daran gezogen?
Und wenn Sie feststellen, dass Ihnen etwas einfach Freude macht und der Preis dafür völlig in Ordnung ist, passt auch das zum Teufel. Diese Karte hat schließlich keine Abneigung gegen Vergnügen. Sie möchte nur wissen, wer hier eigentlich wen im Griff hat.
Mögen Sie heute an der richtigen Stelle merken, dass die Kette lockerer sitzt als gedacht – und sich nicht länger einreden, sie ließe sich ohnehin nicht lösen.
