Der Mond - Tageskarte

Der Mond - Tageskarte

von Betina Graf ISSN 3056-302X
Der Mond - Tageskarte

Manchmal reicht schon eine Kleinigkeit, und sofort hat man das Gefühl: Da stimmt doch etwas nicht. Ein anderer Tonfall als sonst genügt schon. Oder eine Sache passt nicht recht zu dem, was Sie bisher angenommen haben.

Dann beginnt das Nachdenken, und irgendwann merkt man kaum noch, an welcher Stelle die Beobachtung aufgehört und das eigene Kopfkino angefangen hat. Der Mond fühlt sich genauso an: Man sieht etwas – nur eben nicht bei vollem Licht.

Auf der Tarotkarte führt ein Weg zwischen zwei Türmen hindurch. Hund und Wolf stehen an den Seiten, aus dem Wasser kriecht ein Krebs. Der Weg geht weiter, aber sein Verlauf verliert sich hinten im Gelände. Mit Überblick ist da nicht viel. Sie müssen mit dem arbeiten, was gerade zu erkennen ist. Und das kann weniger sein, als Ihnen lieb ist.

Affirmation

Ich lasse eine Frage offen, wenn mir noch etwas fehlt.

Beim Mond kommt schnell Bewegung in die eigene Vorstellung. Das kann durchaus einen guten Grund haben. Vielleicht haben Sie etwas wahrgenommen, bevor Sie es richtig einordnen können – fast wie eine Vorahnung. Nur sollte aus diesem ersten Eindruck nicht gleich ein fertiges Urteil werden.

Wenn Sie sich heute bei einer Sache denken: „Das ist bestimmt so und so“, wäre das ein guter Satz zum Innehalten. Gerade beim Mond kann ein „bestimmt“ schnell mehr Sicherheit vortäuschen, als tatsächlich da ist. Woher wissen Sie es? Gab es dafür tatsächlich einen Anhaltspunkt, oder hat der Kopf die fehlenden Stücke schon selbst eingesetzt?

Auch der Krebs auf der Karte passt dazu. Er kommt gerade aus dem Wasser, also aus dem Bereich, der im Tarot mit Gefühlen und dem Unbewussten verbunden wird. Er steht noch ganz am Anfang des Weges. Was da auftaucht, muss folglich noch nicht fertig sein. Ein Gedanke kann erst einmal nur ein Gedanke sein. Ein Traum vom Vorabend kann etwas in Ihnen anstoßen, ohne dass er deshalb die Wirklichkeit abbildet. Und wenn Sie auf etwas ungewohnt empfindlich reagieren, lässt sich später immer noch herausfinden, warum.

Der Mond hat einen schlechten Ruf, weil bei ihm Täuschung, Unsicherheit und Ängste eine Rolle spielen. Im Alltag ist das meistens weniger geheimnisvoll. Man hört nicht richtig zu und ergänzt den Rest. Man rechnet mit einer bestimmten Reaktion und liest sie dann auch aus einem Gesicht. Man ist müde und hält das eigene Unbehagen für eine sehr zuverlässige Einschätzung der Lage. So etwas passiert.

Bei schnellen Schlüssen wäre heute deshalb ein bisschen Zurückhaltung angebracht. Ein Gefühl kann einen guten Grund haben und trotzdem noch nicht die ganze Sache erfassen. Ein paar Stunden später lässt sich manches schon besser einordnen.

Der Hund bellt, der Wolf heult den Mond an. Etwas ist in Aufruhr. Trotzdem läuft der Weg zwischen ihnen hindurch. Das gefällt an dieser Karte: Sie verlangt nicht, dass vorher alles geklärt sein muss. Man kann weitergehen und trotzdem noch unsicher sein.

Falls sich im Laufe des Tages neue Informationen ergeben, schauen Sie dann noch einmal auf die Sache. Vielleicht bestätigt sich Ihr Eindruck. Vielleicht fällt ein Teil davon einfach weg. Beides ist besser, als sich vorschnell auf eine Erklärung festzulegen.

Möge heute rechtzeitig klar werden, worauf Sie sich verlassen können – und möge alles andere bis dahin einfach offenbleiben dürfen.