In einer fremden Küche fällt schnell auf, wie viele Gewohnheiten ganz anders sind als Ihre. Jemand schneidet die Zwiebeln völlig anders, stellt eine Pfanne auf den Herd, die Sie nicht einmal besitzen, verwendet Gewürze, die Ihnen unbekannt sind – und am Ende wird ein gutes Gericht daraus.
Der Engel der Weltoffenheit würde über so etwas vermutlich schmunzeln. Wenn Sie ihn auf eine Frage gezogen haben, würde er sich weniger für die Antwort interessieren, die längst fertig auf dem Tisch liegt. Eher für das, was Sie vorschnell beiseitegeschoben haben. Eine Sicht, die Ihnen fremd ist? Eine Lösung, die zunächst gar nicht nach Ihnen klingt? Aber schauen Sie einmal genauer hin, vielleicht taugt tatsächlich etwas davon für Sie.
Botschaft des Engels der Weltoffenheit
Mach Platz für etwas, das du noch nicht kennst. Hör zu, schau hin und prüfe in Ruhe, was davon zu dir passt. Du musst deinen eigenen Standpunkt dafür nicht aufgeben. Vielleicht wird er sogar klarer, wenn du ihn einmal neben einen anderen stellst.“
Geben Sie dem schnellen inneren Kommentar heute ruhig ein wenig Verspätung. Jemand erzählt etwas, das Ihnen erst einmal schräg vorkommt, und im Kopf klebt das passende Etikett schon halb darauf. Lassen Sie es noch kurz lose hängen. Möglicherweise steckt hinter dieser fremden Art eine Erfahrung, auf die Sie selbst nie gekommen wären.
Weltoffenheit ist keine freundliche Pflichtübung. Sie verlangt auch kein Dauerlächeln gegenüber allem Fremden. Sie können etwas kennenlernen und danach sagen: Das passt für mich überhaupt nicht. Eine solche Entscheidung fühlt sich allerdings anders an, wenn Sie die Sache vorher wirklich betrachtet haben.
Wenn Ihre Frage Sie schon länger beschäftigt, nehmen Sie einmal die Möglichkeit dazu, die Sie bislang unberücksichtigt ließen. Oder sprechen Sie mit jemandem, dessen Denken Ihnen gelegentlich querkommt. Ihre Entscheidung mag dadurch vielleicht nicht vollständig gelöst sein. Ein ungewohnter Einwand kann reichen, damit Sie merken, an welcher Stelle Sie selbst zu sehr eingeschränkt haben in Ihrem Denken.
Es kann ebenso passieren, dass Ihre bisherige Richtung danach weiterhin richtig wirkt. Auch das ist ein gutes Ergebnis. Weltoffenheit muss keinen Kurswechsel produzieren. Sie verschiebt eher ein paar Möbel im Kopf, damit Sie sehen können, ob hinter dem Schrank noch eine Tür war.
Für den Tag liegt darin etwas Befreiendes. Sie müssen längst nicht alles mögen, was Ihnen begegnet. Aber lassen Sie eine Sache, einen Menschen oder einen Gedanken ein wenig länger ohne Schublade, bevor Sie ihn wegstellen. Vielleicht bleibt es bei einem kurzen Kopfschütteln. Vielleicht nehmen Sie etwas davon mit. Der Engel der Weltoffenheit hätte an beidem seine Freude – solange Sie wirklich hingeschaut haben.
Für Ihren Tag etwas Leichtigkeit und einen Gedanken, der guttut.