An manchen Tagen ist eine alte Sache weit weg. Dann fällt irgendwo ein Satz, und plötzlich ist sie wieder da. Der Ärger über jemanden. Oder dieses unangenehme Ziehen, weil Sie an etwas denken, das Sie selbst gern anders gemacht hätten. So etwas kann sich hartnäckig halten. Vor allem, wenn eine Entschuldigung gefehlt hat oder wenn man sich selbst längst viel strenger beurteilt, als man es bei jedem anderen Menschen tun würde.
Der Engel der Vergebung hätte dafür wahrscheinlich keinen schnellen Rat. Er würde Sie auch nicht drängen, endlich Frieden zu machen. Wenn Sie mit einer Frage zu ihm gekommen sind, würde er erst einmal schauen, was Ihnen in dieser Sache heute guttun könnte.
Botschaft des Engels der Vergebung
Du musst nichts schönreden. Was wehgetan hat, darf wehgetan haben. Aber du musst es nicht jeden Tag wieder durchleben. Wenn jemand dich verletzt hat, gib dir Zeit. Und wenn du dir selbst etwas vorwirfst, dann sei bitte fair mit dir. Du weißt heute Dinge, die du damals noch nicht wusstest. Wenn du es heute anders machen würdest, hast du etwas verstanden. Du musst dich für denselben Fehler nicht immer wieder bestrafen.
Vergebung hat leider keinen Schalter. Einmal umlegen, fertig – schön wär’s. An einem Tag denken Sie: Jetzt ist es gut. Eine Woche später ärgern Sie sich wieder. Dann ist der Ärger eben wieder da. Er hält sich an keinen Zeitplan.
Bei einem Menschen, der Sie verletzt hat, kann Vergeben irgendwann ganz unscheinbar aussehen. Sie spielen das alte Gespräch nicht mehr jeden Abend im Kopf durch. Sie warten nicht mehr auf die Entschuldigung, die womöglich nie kommt. Und wie viel Nähe Sie diesem Menschen heute noch geben, entscheiden Sie. Vergeben verpflichtet Sie zu keiner Versöhnung. Vertrauen kann weg sein. Das darf eine Folge dessen sein, was passiert ist.
Mit den eigenen Fehlern geht man meistens härter um. Da kennt man schließlich jedes Detail. Man weiß noch, was man gesagt hat, warum man geblieben ist, warum man gegangen ist, wo man feige oder unfair war. Im Rückblick sieht vieles so leicht lösbar aus. Nur standen Sie damals eben mit dem Wissen von damals dort.
Einer Freundin würden Sie irgendwann wahrscheinlich sagen: „Ja, das war Mist. Aber du hast es verstanden. Mach dich jetzt nicht ewig dafür fertig.“ Bei sich selbst spart man an dieser Freundlichkeit. Denken Sie bei hartnäckigen und langjährigen Selbstverurteilungen daran: Jede*r Gefangene wird irgendwann aus dem Gefängnis entlassen.
Wenn Sie noch etwas wiedergutmachen können, ist eine ehrliche Entschuldigung wahrscheinlich mehr wert als zehn Abende voller Selbstvorwürfe. Und falls sich nichts mehr klären lässt, bleibt immer noch das Heute. Sie können heute anders handeln als damals. Das ist keine Ausrede. Es ist das, was überhaupt noch möglich ist.
Falls Ihre Frage lautet, ob Sie jemandem vergeben können, würde der Engel Sie zu nichts drängen. Vergebung, die nur ausgesprochen wird, weil man meint, ein guter Mensch müsse das können, fühlt sich hohl an. Irgendwann kommt vielleicht der Punkt, an dem Sie merken: Ich will diese Sache nicht mehr jeden Tag mit mir herumtragen. Das ist ein ehrlicher Anfang.
Und wenn Sie sich selbst vergeben möchten, würde der Engel Ihnen vielleicht einen Satz leihen: „Ich hätte es gern anders gemacht.“ Mehr braucht es zuerst gar nicht. Später kann ein zweiter dazukommen: „Heute würde ich anders handeln.“
Wenn die alte Geschichte heute wieder anklopft, müssen Sie ihr nicht den ganzen Abend geben. Sie können sie kurz ansehen und denken: Ja, ich weiß. Ich habe es verstanden. Für heute reicht’s.
Vielleicht bleibt manches ein wunder Punkt. Trotzdem darf Ihr Tag wieder mehr enthalten als das, was damals schiefging. Der Engel der Vergebung erinnert Sie freundlich daran: Sie sind heute hier. Und heute können Sie anders mit sich und anderen umgehen. Das ist etwas, worauf Sie bauen können.
Für Ihren Tag etwas Leichtigkeit und einen Gedanken, der guttut.