Selbstfürsorge klingt nach einem Wort für einen hübschen Zettel am Spiegel. Im wirklichen Leben stehen Sie eher nach einem anstrengenden Vormittag in der Küche, haben die Jacke noch an und öffnen schon den nächsten Schrank. Eigentlich wollten Sie es sich längst bequem machen für ein Päuschen. Doch da ist noch dies und das, was noch unerledigt vor Ihnen liegt.
Der Engel der Selbstfürsorge würde sich vermutlich fragen, warum Sie die Jacke überhaupt noch anhaben. Sie sind zu Hause, der Vormittag war anstrengend, und trotzdem fällt Ihnen sofort die nächste Aufgabe ein. Das ist mit der Zeit so selbstverständlich geworden, dass Sie kaum noch darüber nachdenken.
Botschaft des Engels der Selbstfürsorge
Bevor du heute etwas zusagst, überleg, wie du dich damit fühlen wirst. Vielleicht hast du genügend Kraft dafür. Vielleicht würdest du lieber ablehnen. Beides ist eine ehrliche Antwort. Nimm deine eigenen Bedürfnisse ebenso ernst wie die Wünsche anderer. Du hast ein gutes Gespür dafür, was Menschen brauchen. Vertrau diesem Gespür auch dann, wenn es um dich selbst geht.
Besonders tückisch ist das Wörtchen „nur“. „Ich räume nur noch rasch etwas weg.“ „Ich erledige nur eben diese Sache.“ Nur hat dieses „nur“ die Eigenschaft, dass sich eines an das andere fügen kann - es gibt immer noch eine Kleinigkeit mehr zu tun. Und abends wundert man sich, warum so wenig Zeit übrig geblieben ist, die sich nach dem eigenen Leben anfühlt.
Vielleicht fällt Ihnen beim nächsten „nur noch schnell“ auf, dass Sie längst etwas anderes vorhatten: die Jacke ausziehen, sich setzen, den Tee trinken. Warum machen Sie das nicht einfach zuerst? Was Sie eigentlich noch erledigen wollten, kann warten. Und wenn Sie danach weitermachen möchten, können Sie immer noch aufstehen.
Es ist schon merkwürdig, wie unterschiedlich man mit seiner Zeit umgeht. Für eine Aufgabe wird ohne langes Überlegen noch eine halbe Stunde freigemacht. Möchten Sie dieselbe halbe Stunde für sich haben, fallen Ihnen plötzlich lauter Gründe ein, warum das heute ungünstig wäre. So bleibt von einem freien Nachmittag am Ende wenig übrig. Dabei müssen Sie sich die angenehmen Stunden doch nicht erst verdienen.
Und dann ist da dieser vertraute Satz: „Ich schaffe das schon.“ Wahrscheinlich stimmt er sogar. Sie haben schließlich schon vieles geschafft, auch wenn es anstrengend war. Aber wie geht es Ihnen hinterher? Wenn Sie am Abend so erschöpft sind, dass Sie kaum noch Lust auf die Dinge haben, auf die Sie sich gefreut hatten, war es womöglich zu viel. Der Engel der Selbstfürsorge würde Ihnen deshalb wohl raten, sich beim nächsten Mal weniger vorzunehmen. Auch wenn Sie durchaus noch mehr schaffen könnten.
Falls Sie diese Engelkarte wegen einer bestimmten Frage gezogen haben, hören Sie auf den freundlichen Einwand des Engels: Rechnen Sie sich selbst mit ein. Ein Vorhaben kann wichtig sein und trotzdem sehr viel von Ihnen fordern. Bevor Sie zusagen, sollte auch Ihre Kraft in der Rechnung vorkommen. Vielleicht lässt sich etwas anders verteilen, vielleicht braucht der Plan mehr Zeit. Der Engel ist durchaus für Mut zu haben; Raubbau an Ihnen würde er allerdings kaum als Tapferkeit durchgehen lassen.
Es kann Mühe machen, für sich einzustehen. Zum Beispiel, wenn Sie eine Verabredung absagen, auf die Sie sich einmal gefreut hatten und die Ihnen nun zu viel wäre. Sie können bedauern, jemanden zu enttäuschen. Trotzdem bleibt Ihre Erschöpfung eine Tatsache. Ein ehrlicher Satz ist dann freundlicher als ein Abend, den Sie mit zusammengebissenen Zähnen hinter sich bringen. Und die Person auf der anderen Seite hat eine faire Erklärung verdient, keine erfundene Ausrede.
Die Fürsorge dieses Engels ist keineswegs auf Ausruhen beschränkt. Wer sich gut behandelt, lässt auch Dinge zu, die Freude bereiten und für die im Alltag merkwürdigerweise immer zuletzt Zeit bleibt. Ein Buch, auf das Sie neugierig sind, muss nicht erst durch einen abgearbeiteten Stapel Pflichten verdient werden. Wie wäre es, wenn heute einmal die Lust auf eine Geschichte den Anfang machen dürfte? Sie können danach immer noch entscheiden, was zu tun ist.
Wer aus dieser Karte eine neue Pflicht macht, hat sie vermutlich missverstanden. Der Engel verteilt keine Sternchen für ausreichend erholsame Nachmittage. Es wäre ja auch grotesk, wenn Sie sich künftig vorwerfen müssten, Ihr Entspannen sei zu schlecht organisiert gewesen. Er wird Sie deswegen weder tadeln noch mit weisen Sprüchen überhäufen. Vielleicht würde er einfach die Jacke vom Stuhl nehmen, sie an die Garderobe hängen und Ihnen einen bequemen Platz freihalten.
Nehmen Sie diesen Platz ruhig an. Der Tag gehört auch Ihnen. Und wer weiß, was Sie wieder mit Freude beginnen, wenn Sie sich dafür ein wenig Luft verschaffen?
Für Ihren Tag etwas Leichtigkeit und einen Gedanken, der guttut.