Es ist eine Erleichterung, Menschen um sich zu haben, auf deren Wort man sich verlassen kann. Bei ihnen muss man nicht zwischen den Zeilen nach versteckten Absichten suchen. Man rechnet damit, dass sie fair bleiben, auch ohne Publikum. So möchten die meisten von uns selbst sein. Nur kommt im Alltag gelegentlich ein Wunsch dazwischen, den wir ebenfalls gut kennen: Wir möchten gut dastehen.
Bei einem gemeinsam organisierten Fest werden Sie für die Idee mit dem Büchertausch gelobt. Das freut Sie, schließlich haben Sie jede Menge Arbeit hineingesteckt. Nur kam der Vorschlag von einer ihrer Freundinnen, die heute fehlt. Sagen Sie es dazu? Ein Dankeschön würde genügen, das Gespräch ginge weiter. Ihre Freundin würde davon womöglich nie erfahren.
Die Botschaft des Engels der Integrität
Bleib fair, auch wenn niemand nachfragt. Dein eigener Beitrag zählt. Du kannst die Leistung eines anderen anerkennen, ohne dich selbst zurückzunehmen. Trau dich, die Dinge so zu erzählen, wie sie gewesen sind.
Die Versuchung hat in solchen Fällen meist eine recht vernünftige Begründung parat. Sie hatten schließlich den Aufwand. Ohne Sie wären die Bücher nie auf dem Tisch gelandet. Das stimmt womöglich sogar. Nur beantwortet es die Frage nicht, von wem der Einfall kam. Auch mit einer wahren Aussage lässt sich etwas zurechtbiegen, wenn man den Rest weglässt.
„Den Büchertausch hat meine Freundin Anja vorgeschlagen.“ Das lässt sich freundlich und ohne weitere Umstände sagen. Anschließend können Sie sich immer noch darüber freuen, wie gut alles gelaufen ist. Vom Lob bleibt reichlich übrig für die Arbeit, die Sie selbst übernommen haben.
Haben Sie den Engel der Integrität wegen einer Entscheidung gezogen, würde er Ihnen raten, auf einen Vorteil zu verzichten, für den Sie jemanden täuschen müssten. Das betrifft auch eine Auskunft, bei der die entscheidende Hälfte fehlt. Ein anderer sollte wissen, worauf er sich einlässt, bevor er zustimmt. Seine Antwort könnte danach anders ausfallen, als Sie gehofft hatten. Das ist enttäuschend. Sie haben ihm aber die Chance gelassen, selbst zu entscheiden. Wie Sie handeln, sollte auch dann noch mit Ihren Überzeugungen vereinbar sein, wenn Ihnen etwas entgehen könnte.
Das gilt auch für Zusagen, die sich später als kaum erfüllbar herausstellen. Sich dann bei jedem Nachfragen eine neue Erklärung auszudenken, macht die Sache mühsam. Sprechen Sie aus, was Sie noch leisten können und was Sie falsch eingeschätzt haben. Ihr Gegenüber kann enttäuscht sein. Immerhin kann es nun mit verlässlichen Angaben weiterplanen.
Haben Sie ein solches Lob wie das beim Fest schon einmal angenommen, lässt sich der fehlende Name bei einer späteren Gelegenheit noch ergänzen. Zunächst fühlt sich das womöglich umständlich an. Es wäre Ihnen lieber, Sie hätten sofort etwas gesagt. Nun sagen Sie es eben später.
Sie brauchen dazu keine lange Rechtfertigung. Sollte jemand verärgert reagieren, lassen Sie ihn ausreden. Eine Korrektur wird dadurch glaubwürdig, dass man sich anschließend auch anders verhält. Beim nächsten Dank erwähnen Sie die Beteiligten von sich aus. So erfahren die anderen nach und nach, dass sie sich auf Ihre Fairness verlassen können.
Für Ihren Tag etwas Leichtigkeit und einen Gedanken, der guttut.