Mit Gutmütigkeit ist das so eine Sache: Die meisten Menschen mögen sie sehr – besonders bei anderen. Wer selbst gutmütig ist, merkt dagegen irgendwann, dass Freundlichkeit gelegentlich wie eine unausgesprochene Zusage behandelt wird.
Denn wer freundlich reagiert, bekommt schnell mehr zu tun: Da wird noch eine Bitte drangehängt, noch etwas vorausgesetzt, noch etwas mit einem „Du machst das doch bestimmt“ versehen. Anfangs merkt man kaum, wie sich das verschiebt. Irgendwann kommt der Punkt, an dem aus Gutmütigkeit Gewohnheit geworden ist – für die anderen.
Botschaft des Engels der Gutmütigkeit
Du musst aus deiner Freundlichkeit kein Schutzschild machen. Wenn du gern hilfst, dann hilf. Wenn du über etwas hinwegsehen kannst, ohne dass es in dir weiterarbeitet, dann lass es gut sein. Aber schau hin, wenn jemand mit deinem Entgegenkommen rechnet wie mit etwas, das ihm zusteht. Güte ist kein Dauerauftrag.
Der Engel spricht hier ziemlich nüchtern. Gutmütigkeit wird schnell weichgezeichnet, als wäre sie vor allem ein freundlicher Gesichtsausdruck und ein offenes Herz. Dabei hat sie mit Entscheidungen zu tun. Mit sehr alltäglichen sogar.
Ein Mensch bittet Sie um etwas. Sie könnten helfen. Sie haben eigentlich anderes vor. Und schon beginnt dieses innere Rechnen: So lange dauert es ja nicht. Der andere braucht es wirklich. Und Sie bekommen es schon irgendwie unter. Also sagen Sie zu. Erst später ärgern Sie sich, weil Sie eigentlich von Anfang an wussten, dass Ihnen die Bitte zu viel war. Gutmütigkeit hat solche blinden Flecken: Man möchte es dem anderen leichter machen und lädt sich dabei selbst etwas auf.
Der Engel würde daraus keine Grundsatzfrage machen. Er würde eher wissen wollen, warum das Nein so schwerfiel. Haben Sie gern geholfen, war die Sache gut. Haben Sie zugesagt, weil Sie den enttäuschten Blick des anderen vermeiden wollten, sieht es anders aus. Dann war Ihre Gutmütigkeit vermutlich ein bisschen schneller als Ihr eigener Wunsch.
Bei einer konkreten Frage schaut diese Karte deshalb auch darauf, wie selbstverständlich jemand mit Ihrem Entgegenkommen umgeht. Wird wahrgenommen, was Sie geben? Oder hat sich längst eingebürgert, dass Sie einspringen?
Beim Verzeihen ist der Engel eher nachsichtig. Menschen machen Fehler, manchmal auch dumme. Doch eine Entschuldigung, die nur ausgesprochen wird, damit alles weiterlaufen kann wie zuvor, trägt wenig. Wo jemand verstanden hat, was schiefgelaufen ist, darf ein neuer Anfang eine Chance bekommen. Wo sich das gleiche Verhalten immer wiederholt, wird Gutmütigkeit leicht zur bequemen Kulisse.
Auch Vertrauen gehört hierher. Der Engel rät nicht dazu, jeden Menschen erst einmal unter Verdacht zu stellen. Das wäre ein trauriger Preis für schlechte Erfahrungen. Aber Vertrauen kann wachsen. Es muss nicht gleich in voller Stärke da sein. Wer sorgsam mit Ihnen umgeht, bekommt mit der Zeit mehr davon. Wer es ständig strapaziert, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann weniger übrig ist.
Gutmütige Menschen erklären sich mitunter länger, als nötig wäre. Ein Nein allein fühlt sich zu schroff an, also kommt noch ein Grund dazu und gleich noch eine Entschuldigung hinterher. Dabei hat der andere womöglich längst verstanden, was gemeint ist. Die ausführliche Rechtfertigung beruhigt vor allem das eigene Gewissen.
Der Engel der Gutmütigkeit würde Ihnen diese Mühe gern ersparen. Wer freundlich mit anderen umgeht, muss nicht jede Absage weichpolstern. Sie können jemandem zugetan sein und trotzdem etwas ablehnen.
Schöner ist ohnehin die andere Seite: wenn Sie helfen und dabei gar nicht rechnen müssen, ob Sie das eigentlich wollen. Dann kommt die Zusage leicht, weil sie ehrlich gemeint ist. Solche Hilfe macht auch hinterher keine schlechte Laune.
Und womöglich begegnet Ihnen heute jemand, der Ihnen selbst entgegenkommt. Nehmen Sie das ruhig wahr. Gutmütigkeit fällt schnell unter die Dinge, an die man sich gewöhnt. Dabei ist es keineswegs selbstverständlich, wenn jemand Geduld mitbringt, etwas abnimmt oder einen Fehler nicht weiterträgt.
Der Engel möchte diese freundliche Seite an Ihnen nicht zurechtrücken. Er möchte nur, dass sie Ihnen erhalten bleibt. Dafür muss sie gelegentlich geschützt werden. Und zwar mit einem guten Gespür dafür, wann Sie gern geben – und wann Sie merken: Diesmal lieber nicht.
So darf Gutmütigkeit durch Ihren Tag gehen: offenherzig, wach und ohne sich selbst dabei zu vergessen.
Für Ihren Tag etwas Leichtigkeit und einen Gedanken, der guttut.