Es ist schon angenehm, wenn man irgendwann merkt: Darüber muss ich mich wirklich nicht mehr so aufregen wie früher. Manche Dinge verlieren mit der Zeit einfach ihre Wucht. Deshalb sind sie nicht plötzlich gut. Man weiß nur besser über sich selbst, wie schnell man sich hineinsteigern kann, wie lange so ein Ärger nachhängen – und dass man am Ende trotzdem keinen Millimeter weiter ist.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl von sich. Früher hätten Sie noch unbedingt etwas richtigstellen wollen. Heute denken Sie: Lass gut sein. Oder Sie merken schon beim ersten inneren Aufwalllen, dass Ihnen die Sache den Aufwand eigentlich nicht wert ist. Das hat nichts mit Gleichgültigkeit, sondern vielmehr mit Erfahrung zu tun.
Botschaft des Engels der Abgeklärtheit
Du musst heute nicht auf alles anspringen. Lass dir Zeit, schau in Ruhe hin und entscheide erst dann, was deine Aufmerksamkeit wirklich verdient.
Es gibt Tage, an denen es richtig gut tut, nicht auf jede Kleinigkeit einzusteigen. Nicht jeden Satz noch dreimal im Kopf herumdrehen, nicht jedes Verhalten eines anderen sofort deuten und nicht bei jeder Unstimmigkeit überlegen, ob man etwas klären müsste. Manches sieht ein paar Stunden später schon ganz anders aus. Und manches erledigt sich tatsächlich, ohne dass man noch mehr Gedanken hineinsteckt.
Wenn Sie beim Ziehen der Karte eine konkrete Frage im Kopf hatten, müssen Sie heute nicht unbedingt zu einer schnellen Antwort kommen. Vielleicht fehlen Ihnen noch Informationen. Vielleicht hängt die Sache auch von einem anderen Menschen ab oder braucht einfach etwas Zeit. Abgeklärtheit kann dann heißen, sich nicht selbst unter Druck zu setzen. Schauen Sie auf das, was Sie im Augenblick wirklich wissen – und lassen Sie den Rest erst einmal offen. Eine Frage wird nicht schlechter, nur weil sie nicht sofort beantwortet ist.
Abgeklärtheit hat für mich etwas sehr Menschliches. Sie entsteht oft da, wo man sich selbst besser kennt. Man weiß, welche Knöpfe andere bei einem drücken können. Man weiß auch, welche Diskussionen immer gleich enden. Und irgendwann merkt man: Ich muss da nicht jedes Mal mitmachen.
Das kann ein gutes Gefühl sein. Jemand wirft eine Bemerkung hin, die Sie früher noch den ganzen Abend beschäftigt hätte, und diesmal bleibt sie einfach dort, wo sie hingehört. Nicht bei Ihnen.
Natürlich gibt es Dinge, die geklärt werden müssen. Und wenn Ihnen etwas wirklich wichtig ist, dann lohnt es sich auch, dafür einzustehen. Aber längst nicht alles braucht dieselbe Aufmerksamkeit. Diese Unterscheidung wird mit den Jahren oft leichter. Man kennt den Unterschied zwischen etwas, das wirklich wehtut, und etwas, das einen nur kurz nervt.
Vielleicht ist heute ein guter Tag, sich selbst diesen kleinen Luxus zu gönnen: nicht aus allem etwas machen zu müssen. Wenn Ihnen etwas begegnet, das Sie normalerweise sofort auf die Palme bringen würde, schauen Sie erst einmal, ob es morgen überhaupt noch wichtig sein wird.
Und falls die Antwort eher nein lautet, dann darf es ruhig schon heute ein bisschen unwichtiger werden.